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Christian Feja
Dass das mit der Inklusion schwierig wird, war von Anfang an zu erahnen, als deutlich wurde, dass das Staatsministerium für dieses Projekt – im Gegensatz zum Sozialministerium – kein Geld in die Hand nehmen wollte. Es war wie immer: Eine Weisung wurde erteilt, Dillingen hatte einige Experten zu rekrutieren, welche wiederum Multiplikatoren für die Bezirke auszubilden hatten, die wiederum Multiplikatoren ausbildeten, die dann ihre Weisheiten an die Pädagogen des Schulvolkes weitergaben. Kein Mensch fragte, ob die Experten wirklich Experten waren; kein Mensch fragte, wie solide das Wissen und die Kenntnisse waren, mit dem auf der untersten Ebene dann hantiert wurde, das hat niemanden von ganz oben wirklich interessiert. Hauptsache war, dass der politische Wille billig exekutiert wurde.
Wie hätte es anders laufen können? Ein Blick in das Norwegen der achtziger Jahren könnte da helfen. Ich hatte damals Kontakt zu einer Lehrerin, die in einer inklusiven Klasse mit hörgeschädigten Kindern arbeitete. Sie hatte für diese Klasse noch zwei Kollegen an der Seite: eine Pädagogin und einen Lehrer, der an einer Schule für hörgeschädigte Kinder gearbeitet hatte. Sie arbeiteten in einem Raum, der sich teilen ließ, da gerade die Lehreinheiten getrennt unterrichtet wurden; sie arbeiteten in einem Raum, der einer Bibliothek ähnelte, so dass die Schüler für Freiarbeitseinheiten optimal versorgt waren.
Oder ein Mädchen mit Trisomie 21 in einer Kleinstschule am Polarkreis: Das Mädchen wurde so lange wie möglich dort belassen und mit ihr eine Lehrerin, die nur für sie da war.
Was ist der Unterschied? Damals wurde im hohen Norden Geld in die Hand genommen; damit war man vielleicht erfolgreich. Und wenn man doch nicht erfolgreich war, hatte man zumindest kommuniziert: Wir nehmen Inklusion ernst, auch wenn sie finanziell weh tut … Es wäre schön gewesen, wenn man das zumindest bei der Ausbildung gemacht hätte.