3 Comments
-
-
Christian Feja
Liebe Katja,
was viele von uns erwarten, sind schnell wirksame Maßnahmen. So wie bei einem Schnupfen. Aber viele, die zu uns kommen, haben den Schnupfen quasi schon verschleppt. Und helfen leider keine Hausmittel. Wenn wir das nach dem Diagnosegespräch, der Arzt würde von “Anamnese” sprechen, festellen, sollten wir den “Patienten” einem Screening unterziehen, damit wir genauer wissen, was ihm fehlt. Das haben wir gelernt; dazu können wir auch testen, wenn wir es für nötig halten (Beim Arzt wäre das das Blutbild). Und dann könnte man überlegen, welche Maßnahmen greifen.
Viele unserer Schüler purzeln – zumindest bei mir am Gymnasium – in den unterschiedlichsten Fördermaßnahmen herum (individuelle Lernzeit, Sprachbegleitung, Schülernachhilfe) weil Kollegen sie dorthin schicken, in der Hoffnung, dass die Maßnahme irgendwie greift. Das tut sie meist nicht, weil viele Schüler nicht bereit sind, in ihre Rettung selbst etwas zu investieren, und niemand weiß, was dem Schüler wirklich fehlt. Daher wäre schon viel getan, wenn er, bevor er einer Maßnahme zugewiesen wird, ein Screening durchlaufen würde, das so konstruiert ist, dass möglichst viele Kollegen bedienen können. Mein Bild ist da die Notaufnahme in einem Krankenhaus: Vor der ersten Maßnahme wird erstmal das Blut abgenommen, Blutdruckgenessen, ein Röntgenbild erstellt. Dann kommt die Diagnose.Wenn wir so ein Screening hätten, müssten wir auch überlegen, welche “Therapien” wirksam werden. Das könnte bei uns bei der einer simplen Hausaufgabenbetreuung anfangen, über ein Coaching weitergehen und bei Konzentrationstraining oder Gruppen- bzw. Einzelnachhilfe enden. Die derzeitigen Förderkonzepte könnten das teilweise leisten, wenn wir sie an das Screeningkonzept anpassen. Wir müssten jedoch Einiges auch ergänzen, wie z. B. die Nachhilfe. Wie man das macht, ist aber wahrscheinlich auch ein rechtliches Problem. Möglicherweise geht das auch über die Brückenbauangebote.
Die Wirksamkeit, die du forderst, würde dadurch entstehen,
1. dass die Maßnahmen sehr passgenau sein könnten
2. Schulleistungsproblme als das gesehen werden, was sie sind, meist als Folge jahrelanger Schlamperei oder Überforderung, die auch nicht in einer halben Stunde gelöst werden können.
Damit die mich richtig verstehst: Ich will nicht, dass du das alles managst. Ich will dir nur aufzeigen, mit welchen Vorschlägen wir an die Schulleitungen herantreten können, wie man die Förderstruktur verändern kann. Auf den Weg muss sich die ganze Schule machen – und den sollten wier moderieren.
Wenn wir uns darüber weiter unterhalte sollten, weißt du ja, wie du mich erreichst.
-
-
Irmgard Pollinger
Lieber bib Vorstand, lieber Christian,
dieser interessante und gute Artikel setzt viele Gedanken bei mir frei. Ich erinnere mich an Diskussionen, Lösungsversuche und auch gelungene Maßnahmen zum Thema Lernförderung. Die Förderung einer neuen Lernkultur ist und bleibt ein zentrales Anliegen und wird durch die gesellschaftlichen Veränderungen und die aktuellen Krisensituationen noch dringender.
Ja, im Ringen um Lösungen müssen alle Betroffenen eingebunden werden und es müssen auch die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ein großes Aufgabenfeld!Ich kann nur bestätigen: Die Beratungslehrer sind die Experten in diesem Prozess und sind auch bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Ich ermutige euch, den eingeschlagenen Weg der guten und nachhaltigen bib-Arbeit fortzusetzen.


ordentlichen Schnitt von der Grundschule kam.
Katja Honold
Ich stimme dir in ganz vielem zu, Christian! Gerade die “Schadensbegrenzung” durch Schulwechsel, die ja auch von den meisten Kolleg:innen (zumnindest am Gymnasium) so schnell und leichthin gefordert wird, tut mir im Herzen weh.
Aber: Ich wünschte, ich wäre die Expertin, als die du mich qua Amt bezeichnest! Ich kenne vermutlich viele Theorien, wirdersprüchliche und keine einzige unumstrittene – aber die praktische Hilfe, wenn Eltern und Schüler:innen mit Lernproblemen bei mir in der Beratung sitzen, ist so begrenzt und funktioniert oft nur kurzzeitig bei intensiver Betreuung.
Seit ich Beratungslehrerin bin und gefragt werde, welche Fortbildungen ich brauchen könnte, schreibe ich: Praktisch umsetzbare, wirksame Hilfskonzepte bei Lernschwierigkeiten.
Gibt es denn die tatsächlich oder können wir mit dem bayerischen Schulsystem immer nur hinterherrennen, flicken und Einzelfälle “retten”?